"Das Parlament der Bäume"
DU
WUSSTEST IMMER; DASS IN BEWEGUNG GERATENE DINGE
EINE VON IHNEN GELÖSTE GESTALT BRAUCHEN
Mit dem Bau
der Mauer in Berlin 1961, initiiert von K.Brantel, G.Fehrenbach
E.Reischke und J.Schultze-Bansen eine Skulpturenwiese auf der Grünfläche
zwischen Kongresshalle
und dem Reichstag als "Mauer aus Kunst wider alle Mauern der menschlichen
Tyrannei". Ben
Wagin pflanzte hier und in der weiteren Umgebung des Spreeufers Bäume als
lebendige Zeichen
der Erinnerung an die Geschichte dieses Ortes und gegen die Trennung der Stadtteile
SO
VERSTAND ICH DEIN PARLAMENT DER BÄUME.
DASS EINZELNE PERSONEN, DIE DANK IHRER STELLUNG EIN GEMEINWESEN
REPÄSENTIEREN, ZUSAMMEN EINEN WALD SCHAFFEN...
Dies weiterführend
rief er in der Wendezeit 1989/90 gegenüber dem Reichstag am
Schiffbauerdamm das "Parlament der Bäume" gegen Krieg und Gewalt
ins Leben, als sich für das
Niemandsland des Grenzstreifens keiner verantwortlich fühlte. Auf einzelnen
Segmenten der
Hinterlandmauer listete er das Jahr und die Anzahl der Mauertoten auf und ergänzte
die
Dokumentation durch Bilder und Gedichte. Von der alten Kronprinzenbrücke
aus war am 24.
August 1961 der erste Flüchtling erschossen worden, der 24-jährige
Schneider Günter Liftin. Er
hatte versucht, durch den Humboldthafen an das West-BGerliner Friedrich-List-Ufer
zu schwimmen.
Bis 1973 starben hier Lutz Haberland, Axel Hannemann, Hedwig Forgert, Klaus
Schröter und
Manfred Gertzki. Zuzeit lagern auf dem gelände Steinplatten mit den eingravierten
Namen der
über 900 Menschen, die an der gesamtdeutschen Grenze in den Jahren 1948-89
getötet wurden.
...
DER IM DAMALIGEN BERLIN NUR AN DER
NAHTSTELLE ZWISCHEN WEST UND OST WACHSEN KONNTE.
Zudem bringt
das Parlament den Tod tausender Soldaten des Zweiten Weltkrieges in Erinnerung.
Sowjetische Soldaten hatten am 30. April 1945 den Reichstag erstürmt und
waren auf ihrem
Rückweg von einer zuvor unentdeckten SS-Elite_Einheit hinterrücks
erschossen worden. Rund um
das Spreeufer fand 1945 das grosse Gemetzel statt. In der Nachkriegszeit wurden
hier Kartoffeln
angebaut. Den einzig übrig gebliebenen Baum, eine Eiche, will Ben Wagin
unter Denkmalschutz
stellen. Auf einem der Mauerfragmente steht der legendäre Ausspruch Michail
Gorbatschows "Wer
zu spät kommt, den bestraft das Leben" Gorbatschow steht nicht nur
für die Überwindung des
eisernen Vorhangs in Europa und in der Folge für den Fall der Mauer, er
ist auch Präsident der
Organsiation "Green Cross", die sich weltweit für die Bewältigung
der Folgeschäden aus Industrie-
und Militärkatastophen sowie den Altlasten des kalten Krieges einsetzt.
DIE
SPRACHE DIESES PARLAMENTES:
IN SCHATTEN SPENDENDEN ZWEIGEN VOM WIND BEWEGTE BLÄTTER
Markus Kutter
Michael Cramer / Gabi dan Droste Auszug aus dem Buch "Ginkgo Botschaften"
Jovis Verlag